Chinanetzteil

Heute ist mir hier wieder einmal ein Stück Hardware in die Finger gefallen und hat sich dort spontan desintegriert – das Gehäuse war aufgeplatzt, also habe ich einen Blick in das Innere gewagt.

Es handelt sich um ein Netzteil mit 12V/2A – wenn man dem Typenschild glauben schenken mag. Gekauft hatte ich es vermute ich mal als Ersatz für eine externe Festplatte aber bisher noch nicht benutzt. Und das war vielleicht auch gut so.

Auf die inneren Werte kommt es an!

Hier also meine Eindrücke vom ‘Teardown’ – Vorab: Ich wundere mich wirklich, warum es nicht häufiger zu Wohnungsbränden oder Stromschlägen kommt.

Das Typenschild lässt schon einmal nichts gutes erahnen. Bei der Stromaufnahme ist das Ampere klein geschrieben, und rechnet man nach kommt man auf 40 Watt (100*0.4A) maximale Leistungsaufnahme – für 24 Watt am Ausgang.  Die Annahme dabei ist, dass 0.4 der maximale Strom sind und der tritt bei der geringsten Betriebsspannung auf. Aber gut, als maximum rating geht das von mir aus durch. Viel wichtiger aber ist: Es sind keinerlei Prüfzeichen vorhanden, einzig CE – auch ‘China Equipment’ genannt – doch das bringt der Hersteller selbst an.

Betrachtet man dann die Platine wie sie im Gehäuse liegt fällt sofort auf, dass sie offenbar für etwas anderes gebaut wurde – sie ist viel zu klein und es ist ein Westernstecker verbaut für den keine Öffnung im Gehäuse existiert. In Position gehalten wird das ganze von Schaumstoff, der zwischen Deckel und Platine geklemmt ist und diese auf das Plastik pressen. Die Kabel verschwinden auf der Unterseite und das lässt nichts Gutes erahnen.

Und richtig, dreht man die Platine um offenbart sich das ganze Grauen. Die Netzspannung wird über zwei sehr dünne Drähte mit nur wenigen Kupferadern die schnell brechen zur Platine geführt, es gibt keine Isolierung auf der Unterseite, zu lange Drähte von der Platine können die Pins des Steckers direkt berühren. Löst sich einer der Anschlussdrähte kann die Netzspannung über das lose Ende direkt auf den Sekundärteil gelangen. Zudem sind die beiden blauen Drähte so lang, dass sie unter dem Sekundärteil verlaufen. Da die Platine vom Schaumstoff unter Druck gehalten wird, werden die beiden Zuleitungen direkt auf die Ausgangspins des Übertragers gedrückt. Doch damit nicht genug.

Bei näherem Hinsehen kann man erkennen, dass die Kabel für die 12 V auf die Pins des Ausgangskondensators gelötet wurden. Dabei sind sie so lang dass sie überstehen, die 12V Leitung kommt einem SMD Widerstand bedenklich nahe und kann diesen leicht berühren – damit landen dann 12V irgendwo. Mechanisch stabil ist das ganze natürlich auch nicht – die Drähte sind nicht durch die Platine geführt, die Löststellen schlecht ausgeführt.

Die Highlights habe ich auf den letzten beiden Bildern markiert – offenbar musste ein Bauteil gebrückt werden um die 12V zu bekommen, auf dem Western Stecker liegt die Ausgangsspannung immerhin über eine Sicherung an. ein anderer SMD Widerstand wurde mit einem zweiten Huckepack gebrückt und es gibt einzelne Lotperlen die zu Kurzschlüssen führen können.

Eine Sicherung auf der Primärseite habe ich in dem Netzteil nicht gefunden, nur einen 10 Ohm Lastwiderstand am Eingang, der etwa 1.5 Watt an Leistung verbraten kann.

Ich bin immer wieder erschrocken, wenn ich daran denke wie viele von diesen Geräten irgendwo unter Schreibtischen im Dauerbetrieb sind.

Fazit: Finger weg von billigen Netzteilen!

Das Fehlen von VDE, TÜV und sonstigen Prüfzeichen ist in meiner Erfahrung ein starkes Indiz für gefährliches Equipment.

Im vorliegenden Fall hat die Platine selbst ein Prüfzeichen und sie ist bis auf die fehlende Sicherung auch sicher aufgebaut – nur alles drumherum und die nachträglichen Änderungen machen das zunichte. Ich habe derartiges schon häufiger erlebt. Inklusive einem Netzteil, bei dem die alten Anschlusskabel nur abgeknipst wurden und neue darübergelötet.

Es besteht nicht nur die Gefahr dass die daran angeschlossenen Geräte kaputt gehen, es kann auch zu Feuer oder Stromschlägen kommen.

Gibt es da keine Gesetzte gegen?

Doch, die gibt es. Verkauft bzw. in Verkehr gebracht werden dürfte das Gerät in der EU nicht, meist handelt es sich um Importe über das EU Ausland, wo teilweise keine Kontrollen stattfinden.

Das in Berlin zuständige Amt für die Produktsicherheit erklärte mir auf Nachfrage, dass diese Waren z.B. oft über England eingeführt werden und dort werde schlicht nicht auf Produktsicherheit kontrolliert. Von dort kam auch meine LED-Lampe die unisolierte 230V auf der Außenseite anliegen hatte.

Letztlich kommt es auf die Verbraucher an: Wenn man immer nur auf den Preis achtet setzt man sich und seine Umgebung nicht unerheblichen Gefahren aus, produziert unnötigen Elektroschrott und hat auch nur für kurze Zeit etwas von den Produkten.

Posted in chinacrap, de, Elektronik, frust, hardware, Kaputt, leid, Technik